Camilla In Indien

Unsere Designerin Camilla hat dieses Jahr mehrere Wochen in unserem Rework Nähatelier in Indien verbracht. Den ersten Teil ihres Reports haben wir bereits im Mai veröffentlicht. Nun folgt Teil zwei - mit weiteren persönlichen Eindrücken und Erlebnissen aus ihrer Zeit vor Ort. 

Wir werden sehr oft gefragt, wie die Arbeitsbedingungen unseres Produktionsteams in Indien sind. Fair? Ja. Gut bezahlt. Naja. Wir orientieren uns an der Organisation ‘Living Wages’ – und zahlen damit ‘fair’.

Nur: Wir bei Rework würden alle gerne mehr verdienen. Aber dafür muss zuerst ein Umdenken stattfinden. Denn der aktuelle Marktwert eines Kleidungsstückes entspricht nicht dem Aufwand, der hinter der Produktion steckt. Schnell? -"Schnell" haben wir nämlich nicht mal ein Scrunchie genäht.

Anyhow. Schauen wir hinter die Kulissen.

Punkt 8 Uhr rattern die Nähmaschinen los. Für die nächsten 10 Stunden werden in unserer Produktion Altkleider sortiert, gewaschen, zugeschnitten, genäht, nochmals gewaschen, kontrolliert und verpackt. Am Ende des Tages wird gewogen, denn wir bezahlen das Material nach Gewicht der effektiv produzierten Rework Kleider. 

Die Pausen sind klar getaktet: Sobald die Glocke klingt, werden Maschinen und Licht ausgestellt und unsere Mitarbeitenden machen wahlweise einen Power-Nap oder essen gemeinsam ihr Mittagessen. Punkt 18 Uhr ist Feierabend, Überstunden gibt es keine. Denn alles ist klar strukturiert. Auch die Hierarchien.

Zuoberst steht unsere Produktionsmanagerin Kiran. Sie hat es nicht immer einfach, denn es ist ungewöhnlich, dass eine Frau das Sagen hat. Aber mit viel Durchhaltewille, Fleiss und klaren Anweisungen hat sie die Anerkennung aller Mitarbeitenden gewonnen.

Mit ihr telefoniert unser Design- und Logistik Team in der Schweiz fast täglich. Sie ist das Sprachrohr zwischen Vorstellung und Realisation. Sie koordiniert die Teams, organisiert den Transport und sorgt dafür, dass unsere Stangen nicht leer sind.

Nach ihr kommen die Master. Sie gradieren unsere Schnitte, schneiden die Stoffe zu und bereiten Bündel vor, die im nächsten Schritt von den Näherinnen und Nähern zu Kleidern verarbeitet werden. 

Dort gibt es zwei Teams: Die Schnellnäher*innen für gewobene Stoffe (z.B. Jeans oder Blusen) und die Jersey Näher (z.B.. Pullis, T-Shirts oder Stretch Tops wie unsere Sommer Bestseller Marina-01 und Okaya-01). Eine Herausforderung für Kiran und das Logistik Team in Bern, denn sie müssen schauen, dass beide Stationen gleichermassen ausgelastet sind. 

Und zwischen Master und Näher sind Navin und Nikita, die linke und rechte Hand von Kiran. Sie sind verantwortlich dafür, dass die Master genügend Material zum Verarbeiten haben und wir die besten Vintage Stücke bekommen. Sie wühlen sich durch die Kleiderberge des Sortiewerkes und ordnen nach Farbe, Material und anderen Eigenschaften. Sie helfen beim Waschen und Packen und weisen das letzte Team – die Qualitätskontrolleure – an, worauf sie beim Quality Check achten sollen.

Auch das ist keine einfache Aufgabe. Denn immer wieder tauchen kleine Löcher, winzige Flecken auf, die erst auf den dritten Blick sichtbar sind.

Und das alles geschieht immer ein wenig unter Zeitdruck. Denn so gerne wir einen oder sogar zwei Schritte voraus wären, wir sind es nicht... So kann es sein, dass wir das High-Summer Top erst im Juli entwerfen. Und schon im August verkaufen wollen.

Auch in der Schweiz ist das Design Team gefordert. Denn neben dem Entwerfen von neuen Teilen bedienen wir Kund:Innen, räumen Kleider auf und packen die Kisten mit den Lieferungen aus. Denn neue Schnitte und Prototypen entstehen - mit Ausnahme von Indienreisen - direkt bei uns im Laden. Vielleicht habt ihr uns schon gesehen?

Die Schnitte senden wir dann nach Indien, wo Kiran gemeinsam mit den Mastern Samples näht. Idealerweise klappt es beim ersten Versuch - oft aber braucht es 2 bis 3 Runden, bis der Schnitt sitzt. Oder auch mal mehr. In kurz: Rework ist Hand- und Fleissarbeit. Aber wir wollen uns nicht beklagen, denn wir lieben unseren Job und finden den Beitrag, den wir leisten, wichtig und sinnvoll. Und darauf kommt es am Ende des Tages an... 

Nikita probiert zum Spass die neuen Aya Caps aus der Premium Line gleich selber an.

Über die Jahre sind hunderte von Schnittmustern zusammengekommen.

Der Blick ins Nähatelier.  

Zugeschnittene Denim Teile warten auf die Weiterverarbeitung.

Alles wird von Hand zugeschnitten. Auch wenn es hier ausschaut, als könnten wir wie bei Neustoffen viele Schichten auf einmal mit einer Maschine zuschneiden.

Links sind die Arbeitsplätze der Näherinnen und Näher, rechts schneiden die Master die gesammelten Materialien zu.

Falls immer möglich, versuchen wir die Altkleider nach Farben aufzuteilen.

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