Camilla in Indien

Camilla arbeitet als Designerin in unserem Atelier an der Europaallee in Zürich. Im Frühling war sie für einige Wochen in Indien und ist dort eingetaucht in die Welt der Altkleider. Und dies nicht nur im sprichwörtlichen Sinne, wie du auf dem Foto siehst...

Zürich – Mumbai – Gandhidham. Gandhi-What? Gandhidham, eine Stadt im indischen Bundesstaat Gujarat, direkt unter der Grenze zu Pakistan. Hier liegt sie, die Rework-Produktionsstätte.  

Eingemietet in einem sogenannten ‘Altkleidersortierwerk’, hat Rework vor über 10 Jahren ein Atelier aufgebaut und näht heute mit cirka 40 Mitarbeitenden Alttextilen zu – hoffentlich - neuen Lieblingsstücken um. 

Hier durfte ich - Camilla, Designerin von Rework, 5 Wochen verbringen.

 

Meine Vorstellung?

 Tag für Tag mit dem Rework Produktions-Team eng zusammenarbeiten, neue Vintage Goldstücke für euch aus den Kleidertonnen fischen und vielversprechendes Material für kommende Kollektionen entdecken. 

In der Freizeit wollte ich durch bunte Märkte spazieren, Chai am Strassenrand schlürfen und den Streetfood entdecken.

Die Realität

Die Zusammenarbeit mit dem Team war so toll, wie ich es erhofft habe! Sie war mein absolutes Highlight. Ich bin jeden Tag mit grosser Freude in die "Factory".

 Alles andere? Nicht so blumig. 

 Aufgrund der Nähe zu mehreren Frachthäfen ist die einst kleine Stadt überdimensional schnell gewachsen und beschäftigt heute Tausende von Arbeitenden. Von Pharma-Konzernen, Stahlproduzenten bis hin zu Nähmaschinen-Nadeln - vieles wird in Gandhidham hergestellt. 

Entsprechend gibt es neben heruntergekommenen Häusern, einer paar Business Hotels und verwahrlosten Kühen vor allem eins: Zahlreiche Lastwägen, die vom und zum Hafen fahren.

Und mittendrin sind wir. Denn neben der Grossindustrie gibt es in der Gegend auch 13 Sortierwerke, die Kleiderspenden aus der Welt einkaufen, sortieren, und weiterverkaufen. 

Und so funktioniert es…

 Im Durchschnitt kommen pro Tag zwei Container Kleiderspenden an, die vor Ort sortiert und dann weiterverkauft werden. Nicht von Robotern, sondern von Hand! Unser Partner beschäftigt über 300 Mitarbeitende.

Heisst: Im Schnelldurchlauf werden die Kleider an drei Laufbändern vorsortiert - zum Beispiel nach Denim, Sportswear oder T-Shirt - und kommen dann zu ihrer "Station". 

Wortwörtlich auf Kleiderhaufen stehend, werden sie dann von den Arbeiter*Innen in einem nächsten Schritt inspiziert und nach "Style/Material" als auch nach Qualitätszustand "A-Grade, B-Grade, C-Grade" in die Tonnen geworfen.  

Und ratet mal: A-Grade - was für fast makellos steht - findet sich mit Abstand am wenigsten. Die "Cotton Men Shirt" Tonne zum Beispiel füllt sich nur sehr langsam. Obwohl pro Tag werden 30 Tonnen Kleidung sortiert werden!

Die "Ladies T-Shirt" Tonne jedoch ist rack zack gefüllt. Wieso? SHEIN lässt grüssen.

Und was passiert dann? 

Die Creme-de-la-Creme der Kleidung - also A-Garde und im besten Falle noch trendy - wird an ‘Vintage Picker’ weiterverkauft. Diese wiederum vertreiben die Kleider an Second Hand Geschäfte. Ein hartes Pflaster, denn gute Stücke finden sich leider immer weniger.

Der Grossteil der sortierten B/C-Grade Kleider wird in "Bales" gepresst, die dann im grossen Stil nach Afrika, Südostasien und teilweise lokal weiterverkauft werden. An Abnehmer, die hoffen, dass sie wiederum Geld mit den Kleidern verdienen können. Und während das früher auch so war, spricht man heute von unter 40%, die noch verwertbar sind. Der Rest landet auf Müllhalden oder (noch schlimmer), irgendwo in der Natur.

 C-Grade - also Ware, die sehr schmutzig oder kaputt ist - wird in kleinste Teile zerschnitten und als Material weiterverkauft. An die Putz- und Bauindustrie. Aber Achtung: Die suchen eher natürliche Materialien. Ein kaputtes Poly-Baumwolle T-Shirt  solltest du darum lieber gleich zuhause in der Schweiz entsorgen…

Und Rework? 

Wir verarbeiten 3000 kg Kleidung in unserem in-House Atelier pro Jahr. Darauf sind wir stolz. Aber ehrlich gesagt, es ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber wir arbeiten daran und glauben fest an unsere Mission. Deshalb war ich auch hier und habe mit dem Team an der Qualität und neuen Designs gearbeitet. 

Aber dazu mehr in einem zweiten Newsletter in den nächsten Wochen...

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